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Touchscreen Handy Displays: Was bedeutet eigentlich kapazitiv und resistiv?


Touchscreen Handy LG KP500Seit dem Riesenerfolg der Apple Iphone Serie ist der Siegeszug der Touchscreen Handys kaum noch aufzuhalten. Doch das Iphone war keineswegs das erste Smartphone, was auf ein großes Touchscreen Display gesetzt hat. Die Technik, die hinter einem Touchscreen steckt ist weitaus älter und wurde in der Vergangenheit schon von anderen Herstellern in Mobiltelefonen verbaut.

Die ersten Geräte, die vermehrt auf Touchscreens gesetzt haben, waren PDAs (Personal Digital Assistent – digitales Termin- und Adressbuch). Allen voran waren es die PDAs von Palm, die konsequent auf den einsatz eines großen Touchscreens ohne extra Tastatur setzten und damit einen großen Erfolg verbuchen konnten. Damals war für die Bedienung allerdings ein Stylus Pflicht.

Der Durchbruch der Touchscreen Bedienung

Palm Vx PDA

Palm Vx PDA

Im Laufe der Jahre hat sich die Technik, die hinter einem Touchscreen steckt, immer weiter fortentwickelt. Aktuelle Touchscreen Displays sind wesentlich präziser und erfordern nicht mehr zwingend einen Stylus für die Bedienung. Einer einfachen und intuitiven Bedienung mittels Fingerdruck steht also nichts mehr im Wege. Vor allem Software Entwickler freuen sich über mehr Flexibilität von Touchscreen Geräten. Die großen Display stellen mehr Raum für Inhalte zur Verfügung und Bedienelemente können dynamisch, je nach aktuellem Bedarf, eingeblendet werden.

Da das Gerät durch das Touchscreen nicht mehr zwingend über eine ergänzende Hardware Tastatur verfügen muss, lassen sich kompakte Multimedia Geräte herstellen, wie es bisher kaum möglich war. Bis auf wenige Hardware Tasten beschränken sich Touchscreen Handys in der Regel auf die Bedienung über die virtuellen Tasten.

Resistives Display vs. Kapazitives Display – Was ist das überhaupt?

Aktuelle Touchscreen Displays lassen sich in zwei grundlegend verschiedene Techniken einteilen. Beide Techniken bestimmen die aktuelle Position des Fingers bzw. des Stylus auf unterschiedliche Weise und bringen Vor- und Nachteile mit sich.

Resistive Touchscreens

Samsung SGH-I900 mit kapazitivem Touch-Display

Samsung SGH-I900 mit kapazitivem Touch-Display

Die Ältere der beiden Touchscreen Technologien wird als resistiv bezeichnet. Bereits die Palm DPAs setzten diese Technik ein, aber auch aktuelle Handys von Samsung, Sony Ericsson und Nokia setzen auf resistive Displays.

Diese Displays verfügen über zwei übereinander liegende, transparente Folien, welche sich durch den Einsatz sogenannter Spacer Dots (Abstandshalter) nicht berühren. Wer genau hinsieht, wird die winzigen Spacer Dots bei resistiven Displays erkennen können.

Beide Folien bestehen aus einem leitfähigem Material. An den gegenüberliegenden Rändern der Folie wird jetzt eine leichte Spannung angelegt, die von Rand zu Rand schwächer wird.

Beim Druck auf das Display werden beide Folien an eine Stelle zusammengedrückt und die Spannung auf die untere Folie weitergeleitet. Durch die veränderte Spannung lässt sich jetzt eine Koordinate des Druckpunktes bestimmen.

Um die zweite Koordinate zu bestimmen, wird einfach eine Bruchteil später eine Zweite Spannung auf die beiden anderen Seiten des Displays angelegt und nach dem selben Prinzip verfähren. Anhand dieser XY Koordinaten lässt sich anschließend der exakte Druckpunkt bestimmen.

Bei resistiven Touchscreen Displays macht es einen Unterschied ob man mit den Fingern, dem Fingernagel oder einen Stylus auf das Display drückt. Allein der leichte Druck, welcher die beiden Folien zusammendrückt ist entscheidend. Damit das Display allerdings korrekt arbeitet, muss es erst einmal kalibriert werden. Dabei werden verschiedene Punkte nacheinander auf dem Display abgebildet, welche man entsprechend drücken muss. Anhand der ermittelten Koordinaten wird die Elektronik kalibriert.

Kapaizitive Tochscreens

Apple iPhone mit kapazitivem Touchscreen

Apple iPhone mit kapazitivem Touchscreen

Diese Technik ist wesentlich jünger und erst seit ein paar Jahren in Mobiltelefonen zu finden. Verwendet wird sie zum Beispiel im Apple Iphone, dem Google Handy G1 und dem Samsung I8910. Grundlage der kapazitiven Displays ist eine beidseitig mit Metalloxid beschichteten Glasplatte.

Das Geheimnis verbirgt sich hinter dem Aufbau dieser Beschichtungen. Die Seiten der Glasplatte sind mit 90 Grad versezten Streifen beschichtet. Auf diese Streifen wird elektrische Strom angelegt, die Kreuzungspunkte der Streifen wirken wie ein Kondensator und erzeugen ein elektrisches Feld. Berührt man jetzt die Glasplatte mit dem Finger, so verändert sich dieses Feld, da die Haut ebenfalls Strom leitet. Jetzt kann man durch die veränderte Spannung, welche durch die Veränderung des elektrischen Feldes entsteht, an den X und Y Streifen messen, um die exakten Koordinaten der Berührung zu bestimmen.

Kapazitive Tochscreens müssen nicht wie resistive Displays erst kalibriert werden. Allerdings sagt man den Resistiven Displays eine geringfügig kürzere Lebensdauer nach. Dies ist baulich bedingt, denn die Stromstärke nimmt auf Dauer leicht ab, ist aber in der Praxis zu vernachlässigen.

Vor und Nachteile von resistiven und kapazitiven Displays

Beide Techniken haben ihre eigenen Stärken und Schwächen. Insgesamt lassen sich moderne Handys mit resitiven Display genauso komfortabel bedienen wie die neueren kapazitiven Displays.

Technologie bedingt ergeben sich aber dennoch ein paar Unterschiede, die man kennen sollte:

Kapazitive Displays reagieren sensibler auf Berührung als resistive Displays. Da kein echter Druck auf die Oberfläche ausgeübt werden muss, reicht eine sanfte Berührung. Bemerkbar macht sich dies Beispielsweise bei “Wisch Bewegungen” wie zum Beispiel Scrollen oder Verschieben. Bei einem Kapazitivem Display reicht es leicht über das Display zu streichen, bei resistiver Technik muss man schon leichten Druck aufbringen.

Dafür ist ein Kapazitives Display aber NUR auf die Eingabe über die Finger beschränkt. Eine Stifteingabe per Stylus funktioniert mit dieser Display Art nicht. Auch der Fingernagel, welcher gerne mal herangezogen wird, um präziser zu drücken, funktioniert hier nicht. Bei einem resitiven Display ist die Bedienung mit Stift, Fingernagel oder sogar mit Handschuhen möglich.

Am besten ist, man testet die Verschiedenen Touchscreen Techniken erst einmal in der Praxis, bevor man sich für ein Handy Modell entscheidet. Eine allgemeine Aussage, welche Technik besser ist, lässt sich pauschal nicht beantworten und kommt auf die eigenen Vorlieben an.

11 Comments to “Touchscreen Handy Displays: Was bedeutet eigentlich kapazitiv und resistiv?”

  • SusiHH 16. Dezember 2009 um 16:03

    Durch die vielen neuen Gerät verliert man schnell den Überblick. Ich denke mit dem F480 von Samsung oder dem LG Arena macht man keinerlei Fehler. Mal schauen welches tolle Touchscreen Handy der Weihnachtsmann unter den Baum legt.

  • Lukas Meyer 23. Januar 2010 um 22:49

    Beide Techniken haben sicherlich Vor- und Nachteile. Das der Display nicht auf den Fingernagel oder Stift reagiert ist nicht besonders praktisch. Mal sehen was die Zukunft bringt, da kommt bestimmt noch was ganz neues.

  • Daniel 16. Februar 2010 um 18:36

    Danke für den Artikel, hier sind die Unterscheide der beiden Touchscreentechniken endlich mal einfach und verständlich erklärt und gegenübergestellt worden. Habe mich schon für ein Touchscreenhandy mit der resistiven Technologie entschieden.

  • Dennis Farin 28. April 2010 um 13:57

    Huhu, also das mal n wirklich gut erklärter technischer Hintergrund. Ich las gerade bei Gizmodo etwas über das neue 4g von Apple und in dem ZUsammenhang halt auch den Begriff “kapazitives Display”, allerdings ohne die geringste Ahnung was das überhaupt sein soll.

  • robin 28. November 2010 um 06:48

    ich habe das lg pop und mein bruder hat das galaxy also gegen dss touchscrreen ist mein handy ein scheiß

  • admin 28. November 2010 um 22:38

    Hi Robin,
    das Galaxy hat ein kapazitives Display. Diese Display Technik ist eben viel feinfühliger. Mit nur einer leichten Berührung oder einem leichtem FIingerwisch lassen sich problemlos Eingaben auf dem Handy machen. Ich kömme mit resistiven Displays auch nicht gut zurecht, finde sie unkomfortabel und würde mir nur ein Handy mit kapazitivem Display kaufen. Zum Glück setzen die Handy Hersteller bei aktuellen Modellen in der Regel nur noch auf kapazitive Displays.

  • Claus 29. November 2010 um 08:32

    Ein guter Informativer Artikel! Jedoch die Aussage, dass bei einem kapazitivem Display eine Stifteingabe per Stylus nicht möglich wäre ist falsch. Es gibt für diese Displays Eingabestifft ähnlich einem Kugelschreiber die hervorragend funktionieren.

  • admin 4. Dezember 2010 um 08:46

    Hallo Claus,
    danke für den Hinweis. Es gibt tatsächlich spezielle Stylus Modelle für die Stifteingabe auf kapazitiven Displays. Ob es wirklich sinvoll ist ein kapazitives Display mit einem Stylus zu bedienen ist die andere Frage. Stifte waren in der Vergangenheit ja mehr mittel zum Zweck und nicht gerade intuitiv und praktisch. Aktuelle Handy OS sind auf die Bedurfnisse von einfachen Finger eingaben zugeschnitten. Große Schaltflächen und Buttons, die sich ohne Fehleingaben auch mit den Fingern bedienen lassen.

  • Pearl Android Tablet-PC Touchlet X2 11. Dezember 2010 um 12:59

    [...] Ja ich weiß: der Hobel kostet 170 Euro. Für viele ist das aber ne ganze Stange Geld. Ich persönlich werde mich wohl nie an resistive Touchscreens gewöhnen können. Beim Surfen musste ich zum Scrollen leichten Druck ausüben, damit überhaupt etwas geschah. Kurzer Anriss: resistive Screens gibt es bereits länger, ihr tippt halt zum zoomen an, nicht so wie beim iPad, wo ihr mit Daumen und Zeigefinger vergrößern und verkleinern könnt. Ist hier ganz gut beschrieben. [...]

  • Noobfire 31. Dezember 2010 um 17:37

    Ich habe jetzt nichts zum Inhalt des Textes zu sagen, nur würde ich ganz gerne mal die Rechtschreibung bemängeln ;) Der Text ist voll von Groß- und Kleinschreibungsfehlern, grammatikalischen Fehlern etc.

    [...] // Admin: Kommentar gekürzt da sehr ausführlich :)

    Ich will nicht unhöflich erscheinen, aber beim Lesen ist mir diese Fehleranzahl aufgefallen und ich wollte darauf hinweisen. Es wirkt auch professioneller dadurch ;)

    @Claus
    Natürlich gibt es auch spezielle, für kapazitive Touchscreens geeignete Stife. Diese haben dann eine Metallbeschichtung an vorderen Ende ;) Nur der normale, aus Plastik bestehende Stift funktioniert dadurch eben nicht ;)

  • admin 8. Februar 2011 um 18:15

    Hi Noobfire,
    der Kommentar ist irgendwie Untergegangen, deswegen die späte Freischaltung!

    Oha, da ist ja wirklich einiges schief gelaufen…

    Vielen Dank jedenfalls für deinen Hinweis inkl. der ausführlicher Korrektur ;) Ich habe den Text mal überarbeitet und hoffe die (gröbsten) Fehler sind beseitigt…

    Gruß

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